[No Monologue] Was macht dich glücklich?



Es ist viel einfacher zu sagen, was einen unglücklich macht. So etwas bleibt besser in Erinnerung. Ich habe eine Zeit lang eine Art Glückstagebuch geführt, um mich auf die positiven Dinge zu konzentrieren und um ein Leben zu führen, dass mich tatsächlich glücklich macht. Ich habe es mal rausgekrammt und mir angeschaut. Die Einträge sind ca. 5 Jahre alt. Da war ich noch in der Oberstufe. Ich habe damals oft telefoniert. Sehr oft. Jeden Tag. Das mache ich gar nicht mehr. Wenn ich telefoniere, dann rufe ich meistens meine Eltern oder meine Großmutter an. Und ab und zu auch meine Freunde. Das liegt vermutlich daran, dass ich mit meinen Freunden über Whatsapp in Kontakt bleibe. Es scheint so, als ob Telefonate überflüssig geworden sind. Dabei ist es so viel schöner, sein Handy und seinen Laptop für zwei Stunden zur Seite zu legen und sich voll und ganz auf seinen Gesprächspartner zu konzentrieren. Das kann man mit einem Chat einfach nicht vergleichen. Ich vermisse es, stundenlang zu telefonieren. Ich kann mich noch an Nächte erinnern, in denen ich hellwach im Bett lag und geredet hat. Beim telefonieren ist die Entfernung und die Uhrzeit egal. Ich fand es schön dann aufzulegen, wenn es langsam angefangen hat zu dämmern und die Vögel angefangen haben zu singen. Es war ein schönes Gefühl, jemand stundenlang zuhören zu können. Und es war auch schön zu wissen, dass es jemanden gibt, der zuhört, wenn du das willst. Das klingt jetzt so, als ob das gar nicht mehr so ist. Aber das stimmt natürlich nicht. Ich habe immer noch die gleichen Freunde, die ich nachts heulend anrufen könnte. Aber es eben keine Gewohnheit mehr, stundenlang zu telefonieren. Das sollte ich ändern.

Hätte man mich vor zwei jahren gefragt, was mich glücklich macht, hätte ich "Shoppen" gesagt. Ich meine es ernst. Mein Körper ist beim Shoppen von Glücksgefühlen überflutet worden. Das grenzte schon fast an einer Sucht. Seit ich angefangen habe zu studieren, merke ich, dass es nicht alles ist. Es ist nur eine oberflächliche Form von Glück gewesen, die genauso schnell geht wie sie kommt und eine leere hinterlässt. Was mich wirklich glücklich macht sind die Menschen, für die ich da bin und die für mich da sind. Es sind die Leute, denen ich alles anvertrauen kann, ohne dass sie mich verurteilen. Es sind Menschen, die sich in das Auto setzen und mich an einer Raststätte abholen, weil ich meine Haltestelle verschlafen habe. Es sind Menschen, mit denen ich stundenlang reden kann und bei denen ich immer willkommen bin.

Es ist schwer, solche Menschen zu finden. Es ist noch schwerer sich einzugestehen, der man vertraut hat, doch nicht so vertrauenswürdig und ehrlich ist. Ich habe im letzeb Jahr meine Freundschaften überdacht und viele Schlussstriche gezogen. Manche sind auch gezogen worden, ohne dass ich einen Einfluss darauf hatte. Bei anderen habe ich bewusst den Kontakt reduziert und abgebrochen.

Mit Freunden ist es eben wie mit Schuhen: Ich habe richtig viele davon aber es gibt wenige, in denen ich mich wohl fühle und von denen ich keine Schmerzen bekomme.

So ein Umzug in eine andere Stadt stellt Freundschaften auf die Probe. Es ist schwer, wenn alle ein neues Leben beginnen, neue Leute und eine neue Stadt kennen lernen. Umso schöner ist es, wenn der Kontakt erhalten bleibt oder sogar besser wird. Ich freue mich über jeden Besuch, weil dann sie zu mir kommen und ich sehe, dass ich den Leuten wichtig bin. Es ist etwas anderes, wenn ich nach Hause fahre und dort meine Freunde treffe. Ansonsten ist es wie "Ach, du bist da? Das ist zwar schön aber wenn du nicht da wärst, wäre es auch nicht so schlimm".

Freunde und Familie sind wichtig und machen mich glücklich. Dieses Gefühl ist viel intensiver als alles andere. Natürlich mag ich es auch eine gute Note zu bekommen. Oder im Park zu liegen, wenn die Sonne scheint. Oder ein richtig gutes Buch zu lesen. Oder mein Lieblingslied zu hören. Aber das alles macht nur dann glücklich, wenn man die richtigen Menschen an seiner Seite hat. Ohne sie wäre das alles nichts wert.

Das waren jetzt so viele Wörter. Dabei hätte man das ganze mit einem Zitat von Cicero auf den Punkt bringen können:

Secundas res splendidiores facit amicitia.
"Glück wird noch strahlender durch Freundschaft."




No Monologue ist eine Gruppe von Bloggern, die zum Ende von jedem Monat zu einem Thema schreibt. Ich bin zum ersten Mal dabei. Das Thema für diese Runde ist: "Was macht dich glücklich?" Der schöne Header ist übrigens von Vita erstellt worden, die No Monologue auch ins Leben gerufen hat :)
Wer bis jetzt mitgemacht hat und wesen Beiträge im Laufe der Tage erscheinen werden, seht ihr hier:

01.06 Lexasleben
04.06 Coralinart
05.06 Vita

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