Alles bio, alles gut?!

Viele Menschen verbinden mit Bio-Produkten eine bessere Qualität, welche sich auch positiv auf die Gesundheit auswirkt. Den Tieren gehe es in der Bio-Haltung außerdem viel besser, weil sie draußen rum laufen würden. Außerdem sehen Bio-Produkte genauso gut aus.
Aber entspricht dieses Image tatsächlich der Wahrheit? Oder soll uns der Kauf einer 30 Cent teuern Bio-Sahne nur ein gutes Gewissen bescheren?





Fangen wir den Pestiziden an. Es handelt sich dabei um chemische Substanzen, die lästige oder schädliche Lebewesen töten. Es sind 1000 Präparate auf der Basis von 200 Wirkstoffen in Deutschland zugelassen. Auf diese Weise schützen sie die Pflanzen und erhöhen die Ernte.

Ich möchte euch gleich am Anfang die ndr-Reportage 'Geheimsache Bio' ans Herz legen. Es ist wichtig, Bio-Produkte nicht grundlos zu vertrauen, sondern sich auch kritisch damit auseinander zu setzen. Und genau das passiert in der Reportage.
Es werden unter anderem folgende Fragen beantwortet: Werden tatsächlich keine Pestiziden benutzt? Sind Bio-Produkte tatsächlich gesünder und umweltfreundlicher? Sind Bio-Produkte die Lösung, auf die wir alle gewartet haben? Und viele weitere. Anschauen lohnt sich! Dieses mal will ich euch die Antworten nicht gleich am Anfang verraten, weil die Reportage wirklich empfehlenswert.




Es gibt ja nicht nur Bio-Gemüse und Bio-Obst, sondern auch Bio-Fleisch. Da geht es den Tieren doch besser, oder?
Besser auf jeden Fall! Aber von 'gut' kann nicht die Rede sein. Die Haltung ist weder artgerecht, noch besonders tierfreundlich. Ein Huhn, das zur Fleisch verarbeitet werden soll, lebt insgesamt 81 Tage und hat einen rechtlichen Anspruch darauf, 1/3 dieser Zeit im Freilauf zu verbringen. Doch diese Chance wird oft nicht genutzt, da das Wetter es entweder unmöglich macht oder die Freiläufe so gebaut sind, dass sie wenig bis gar keinen Schutz bieten und die Hühner sich nicht trauen heraus zu gehen. Damit der Profit auch steigt, werden auch bei Bio-Hühner Masthybride eingesetzt, welche auf ein rasantes Wachstum gezüchtet sind. Ein weiteres Kennzeichen ist die überdimensionale Brust, die das Gehen fast unmöglich macht, Herzkreislauferkrankungen so wie Erkrankungen des Bewegungsapparates. Wer denkt, dass Bio-Hühner glücklich sterben, hat sich eine schöne eigene Welt aufgebaut, die nichts mit der Realität zu tun hat, wie das folgenden Video uns zeigen wird.


 


Wenn du mehr über die Bio-Haltung der Tiere erfahren möchte, lege ich dir die Seite Bio-Wahrheit ans Herz.




Bio-Siegel

Es gibt viele verschiedene Bio-Siegel. Da verliert man schnell den Überblick. Deshalb verrate ich euch, was die gängigsten Bio-Siegel für Rechtlinien haben und wie man die Labels entziffern kann.
Seit Juni 2010 gibt es in der EU einen verbindlichen Biosiegel (zweites Label im Bild). Damit ist garantiert, dass höchstens 0,9% der Inhaltsstoffe aus genetisch verändertem Material sind und dass mindestens aus dem Öko-Anbau kommen. Geschmacksverstärker, künstliche Aromen so wie Farbstoffe sind verboten. Es sind auch nur 47 Zusatzstoffe (Im Normalfall sind es 400!) erlaubt. Dazu zählen auch Enzyme. In der Hühnerhaltung sind maximal 230 Legehennen und 580 Masthühner erlaubt, wobei diese mit genetisch verändertem Futter gefüttert werden dürfen. Bei Transporten dürfen die Tiere weder Stromstöße bekommen noch mit allopathischen Beruhigungsmittel behandelt werden. Stickstoff-, organischer Dünger und Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis sind erlaubt. Eine Teilumstellung des Betriebs ist möglich.

Links neben dem EU-Bio-Siegel ist das deutsche Biosiegel. Auch hier sind Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren (Emulgatoren helfen nicht mischbare Stoffe wie Öl und Wasser fein zu vermengen). Es müssen ebenfalls mindestens 95% der Bestandteile aus ökologischen Anbau kommen. Gentechnik ist verboten. Zusätzlich dürfen Lebensmitteln nicht mit mineralischen Dünger und synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. Die Konservierung darf nicht mit ionisierender Strahlung (dafür verwendet man Röntgenstrahlen, Elektronenstrahlung und Gammastrahlen) erfolgen. Des Weiteren sind die Fruchfolgeen abwechslungsreich zu gestalten. Die Mindeststall- und freiflächen werden vorgegeben (Ob sie von den Tieren tatsächlich benutzt werden können?)



Ja, Bio-Produkte sind ein Schritt in die richtige Richtung. Aber wenn ich die genaue Bedingungen für Tierhaltung auf Bio-Wahrheit mir anschaue, fühle ich mich hinters Licht geführt. Von artgerechter Haltung, mit der für Bio-Produkte geworben wird, sehe ich weit und breit keine Spur. Das Tier wird als Ware betrachtet und nicht als Lebewesen. Hier ist schon mal ein erster, großer Fehler, der für viel Leid sorgt.
Und eben weil ich mich betrogen fühle, mag ich die oben beschriebenen Bio-Siegel nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sie unterstützen soll (immerhin stimmt die Richtung) oder ob ich sie boykottieren soll.

Eine in meinen Augen bessere Alternative ist Demeter. Auf diese Marke bin ich erst vor kurzem gestossen und hatte noch nicht die Gelegenheit die Produkte zu testen. Aber darüber will ich euch an einer andere Stelle noch mal berichten.
Demeter hat ähnliche Richtlinien wie Bioland.
Die Produkte sind alle aus dem ökologischem Anbau und dürfen keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe, Jodierungen, Nitritpökelsalze und natürliche Aromen aus mikrobieller Erzeugung enthalten. (Bei Bioland sind noch ein paar E-Zutaten aufgelistet.) Es sind nur 20 bzw. 22 Zusatzmittel und entweder gar keine oder nur für spezifische Produkte Enzyme genehmigt. Bei der Schweinehaltung dürfen max. 10 Schweine pro Hektar(bei dem EU-Bio-Siegel sind es 14), bei der Kuhhaltung max. 2 Kühe pro Hektar gehalten werden. Der Kuhtrainer, der bei dem EU-Bio-Siegel nicht geregelt und deshalb erlaubt ist, ist verboten. (Ein Kuhtrainer ist ein unter Strom stehender Metallbügel,der die Tiere beim Koten/Harnen an den Mistkanal drängen soll. Er ist entweder temporär oder permanent eingesetzt.)
Des Weiteren sind max. 140 Legehennen und max. 280 Masthühner erlaubt, denen man nicht  genetisch manipuliertes Futter verabreichen darf. Der Transport darf die 200 km Grenze nicht überschreiten. Es wird angestrebt, nur Schlachtkörper zu transportieren. Stickstoffdünger ist in begrenzter Menge erlaubt, während organische Handelsdünger und synthetische Pflanzenschutzmittel verboten sind. Auch Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis sind begrenzt (3 kg pro Hektar und Jahr) erlaubt.
Beide Marken habe ich bewusst noch nie wahrgenommen. Das praktische ist, dass man auf den Internetseiten nach schauen kann, wo in der Nähe die Produkte dieser Firmen verkauft werden. Ich werde da also auf jeden Fall irgendwann reinschnuppern. Und wenn es mir mein Studenten-Geldbeutel erlaubt, werde ich auch das eine oder andere Produkt kaufen. Auf den Seiten findet man neben vielen hilfreichen Informationen auch noch leckere Rezepte! Wahrscheinlich werde ich in den nächsten Tagen etwas davon ausprobieren :)

Auf der Internetseite Label Online kann man sich 400 Labels anschauen und ihre Kriterien in Kurzform durchlesen. So eine Masse an Details kann sich ja kaum einer merken! 


Kommentare:

  1. Wirklich guter Post muss ich sagen, ich gebe dir recht nur weil das Bio drauf steht heißt es nicht das es besser ist. Wir dürfen uns nicht von der Industrie "verarschen" lassen sondern müssen hinterfragen.

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  2. Wahnsinn, wie viel Mühe du immer in deine Beiträge steckst, so viel Recherche, toll ((:
    Ganz liebe Grüße,
    deine Neele von http://royalcoeur.blogspot.de/ ♥

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  3. Wow ein wirklich toller Post.

    Liebst,
    Janine // http://3melodies.blogspot.de/

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  4. Ein wirklich guter Post war sehr interessant vielen dank du bringst die Sachen sehr gut auf den Punkt

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  5. Hey,
    Bio ist aber immerhin noch besser als nicht-Bio!
    Und zu Demeter bitte ich dich, dich nochmal ein wenig mehr zu informieren (nicht böse gemeint!), es ist KEINE Marke..! Und Zusätze gibt es nicht bei Demeter-Produkten. (:
    Ich habe ein 1-monatiges Praktikum auf einem Demeterhof hinter mir und weiss da jetzt ganz gut Bescheid, also wenn du Fragen hast.. :)
    Lg!
    Olivia

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    1. Mhm, meine Quellen sagen was anderes. Und zu denen gehört auch die Demeter-Internetseite. Dort steht, dass ein paar Zusatzstoffe notwendig und deshalb auch erlaubt sind. Es kann sein, dass auf dem Hof, bei dem Praktikum gemacht hast, keine Zusatzstoffe benutzt worden sind. Sind keine Aromaextrakte verwendet worden? Das sind ja die Zusatzstoffe, die erlaubt sind.
      Und wieso soll Demeter keine Marke sein? :)

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  6. respekt, wie viel mühe in diesen post investiert hast!
    ich bin vegetarierin und esse fast nur bio produkte, aber so genau habe ich diese auch noch nie hinterfragt, danke dir!

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  7. Super, dass mal jemand über sowas schreibt.
    Danke, dass du dir so viel Arbeit gemacht hast fpr den Post :-)

    Liebste Grüße

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  8. Echt langer Post mit sehr vielen Informationen! :)

    Liebst, Irina von http://eugli.blogspot.de/

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  9. Die Demeter-Einkaufsstellen sind leider alle ziemlich weit entfernt von mir c:
    Wenn ich zufällig mal in die Nähe kommen werde, schaue ich mir die Sachen aber auf jeden Fall an.
    Ich könnte auch bei Bio-Fleisch kein gutes Gewissen haben, denn immerhin ist dafür ein Tier gestorben...
    Ich finde es aber durchaus sinnvoll öfters mal Bio zu kaufen, auch wenn es nicht so günstig ist.
    Wenn die Nachfrage höher ist, werden die Produkte mit Sicherheit auch irgendwann erschwinglicher und einfacher erhältlich.

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  10. Wie immer sehr interessant! Ich warte gespannt auf andere deine Artikel

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  11. Ich weiß nicht genau wo ich das mal gesehen habe das Bio mittlerweile nur noch ein billiger Stempel auf den Produkten ist, aber ich fands sehr schockierend. Wo Bio draufsteht sollte auch Bio drin sein, schließlich schlagen die Firmen allein für das wort Bio etwas drauf. Da gehe ich lieber zu meinem Nachbarn auf den Hof, da weiß ich wenigstens das alles wirklich zu 100% Bio ist.

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  12. Ich habe mir gerade die Videos auf biowahrheit.de angesehen und bin fassungslos, einfach nur fassungslos. Ich habe gerade so ein beklemmendes Gefühl es ist einfach nur schrecklich, wiederwärtig und grausam was dort passiert. Wenn man sich nur einmal so ein Video ansieht versteht man warum Leute ganz auf Fleisch verzichten..

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  13. 2 Kühe pro Fußballfeld? Ich denke da gehts nicht um den Auslauf, sondern ums Gras fressen oder wieso benötigen die so viel Platz?

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    1. Ja, sie fressen ja ca. 70 kg Gras am Tag und brauchen 100 Liter Wasser. Das ganze kann dann nicht auf einer kleinen Fläche wachsen. Sie brauche viel Platz :O

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