Honig

Das süße Gold




Auf dem Brot, im Tee, in der Salatsauce – irgendwie war der süße, goldgelbe Sirup, der so vielseitig einsetzbar ist, schon immer da. Er wird von Bienen hergestellt, gut. Aber wie genau das funktioniert, darüber hab ich mir noch nie auch nur ansatzweise Gedanken gemacht.
Nicht mal, als ich mehr und mehr angefangen habe mich mit der veganen Lebensweise zu beschäftigen. Und die Veganer sind sich da anscheinend selbst nicht so ganz schlüssig, wie böse und moralisch unhaltbar das süße Gold eigentlich ist. Die meisten essen ihn nicht, dann gibt es aber auch wieder welche, die es in Ordnung finden – die im Übrigen dann „Beeganer“ genannt werden(ich frage mich ob sich wirklich jemand ernsthaft selbst so einen Namen geben würde?).
Als ich dann vor einigen Tagen den Reformhauskurier in der Hand hielt, bin ich auf einen Artikel zur Herstellung von Honig gestoßen. Und da ich mal stark vermute, dass es noch mehr uninformierte Menschen wie mich hier gibt, für die Honig einfach schon seit der Kindheit so da war und über den man sich – im Gegensatz zur Produktion von Fleisch, Eiern etc. - herzlich wenig kümmerte – und weil ich ohnehin mal wieder auf der Suche nach einem neuen Thema für einen Post war (nachdem meine letzten veganen Backversuche traurig gescheitert waren), habe ich mich also hingesetzt und ein bisschen recherchiert.


Wie genau entsteht eigentlich Honig?

Bienen fliegen Blumen an, saugen den Nektar auf und bestäuben nebenbei die Pflanzen – so weit reicht die Erinnerung an den frühen Biounterricht bei den meisten sicherlich noch zurück.



Kaum zu glauben, aber für einen Liter Honig müssen 3 bis 5 Millionen Blüten angeflogen und damit eine Flugstrecke von ca. 40.000km zurückgelegt werden. Aber man nennt sie ja nicht umsonst fleißige Bienchen ;-)
Im Magen der Biene spalten Enzyme den Nektar in Traubenzucker und Fructose. Im Bienenstock angekommen würgt die Biene den Nektar wieder aus und gibt ihn an andere Bienen weiter, die ihn wiederum mit Enzymen anreichern.
Diesen Prozess durchläuft der Saft mehrmals: Er wird von Biene zu Biene übergeben, von jeder wird ihm etwas Speichel zugegeben. Dadurch ändert sich das Zuckerspektrum des Nektars.
Einige Bienen saugen ihn auch mehrmals auf und würgen ihn wieder heraus, das macht den Honig am Ende dickflüssiger.

Schließlich wird der Blütensaft in die Wabenzellen eingelagert und mit einem Wachsdeckel verschlossen. Er reift dort zum Endprodukt, dem Honig, aus.

Zur Erntezeit vertreibt der Imker die Bienen aus dem Stock und schleudert die Waben, sodass der Honig hinausläuft.

Geschmack, Farbe und Geruch des Honigs hängen von der jeweiligen Pflanze ab, aus deren Nektar er entstanden ist. Der Geschmack kann lieblich-süß, genauso aber kräftig-würzig sein, die Farbe kann von nahezu farblos bis dunkelbraun variieren.

Man unterteilt Honig zunächst nach seinem Ausgangsstoff in Blüten- und Honigtauhonig.
Der Blütenhonig wird aus Blütennektar gewonnen, er ist in der Regel heller und milder als der Honigtauhonig. Außerdem wird hier nochmal unterschieden zwischen sortenreinem Honig, der vorwiegend aus einer Pflanzensorte, beispielsweise Sonnenblume oder Akazie, gewonnen wird, und Mischblütenhonig, der aus dem Nektar verschiedener Pflanzensorten hervorgeht.


Honigtauhonig wird aus dem sogenannten Honigtau gewonnen, also aus Ausscheidungen von Insekten oder Sekreten von Pflanzen. So melken Bienen zur Herstellung von Wald- und Tannenhonig beispielsweise Blattläuse, welche sich vom Saft der Bäume ernähren und eine zuckrige Flüssigkeit ausscheiden, den Honigtau.
Der Honigtau wird genauso wie der Blütennektar von den Bienen zu Honig verarbeitet. Er schmeckt meist würziger als der Blütenhonig.

Die Konsistenz des Honigs, er kann flüssig, cremig oder auch fest sein, hängt von der Pflanze, sowie von der jeweiligen Lagerung ab. Je höher der Fructose-Anteil des Honig ist, desto länger bleibt er flüssig.

Der Fructose-Anteil von Honig kann von 25 bis 45% variieren. Daneben enthält Honig auch noch Saccharose und Maltose, besteht also insgesamt vorwiegend aus Zucker. Dennoch stecken auch viele Vitamine, Proteine, Mineralstoffe, Enzyme, Spurenelemente und organische Säure in dem süßen Sirup.


In einem Bienenstock leben im Sommer etwa 60.000 Bienen, ein Bienenvolk kann im Durchschnitt 20 bis 30kg im Jahr herstellen. Die heimische Produktion kann die Nachfrage an Honig in Deutschland jedoch keineswegs decken. Im Jahr 2011 verbrauchte jeder Bürger durchschnittlich ein Kilogramm Honig, 80% des Honigbedarfs müssen importiert werden.
Die deutsche Gesetzgebung schreibt hier allerdings vor, dass dem Honig weder andere Stoffe zugefügt, noch eigene Stoffe entzogen werden dürfen. Es darf also nur das Naturprodukt vertrieben werden.

Es gibt sowohl konventionell erzeugten, als auch Bio Honig: Wo liegen die Unterschiede?


Ein Bio-Imker verzichtet auf synthetische Medikamente und behandelt Bienenkrankheiten somit ausschließlich mit natürlichen Stoffen, wie beispielsweise ätherischen Ölen.
Auch bei der Ernte werden keine chemischen Mittel eingesetzt, die Bienen werden lediglich durch Rauch oder starke Luftströme aus ihrem Stock getrieben.
Außerdem darf er seinen Bienenstock nur auf Bioflächen und nicht in die Nähe von Gentechnik-Feldern setzen.
Ein weiterer wichtiger Unterschied liegt darin, dass ein Bio-Imker den Bienen einen Rest an Honig als Futter für den Winter zurück lässt.
Außerdem unterscheidet sich der Bio-Honig vom herkömmlichen Honig in seiner Herstellung: Er wird bei niedrigeren Temperaturen behandelt, wodurch wichtige Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

Bienensterben


Bienen bestäuben ca. 80% aller Nutzplanzen. Damit sind sie der wichtigste Bestäuber von Pflanzen. Diese Bestäubung ist elementar, da sie dem Arterhalt der Pflanzen dient.
Bienen sind also enorm wichtig für unser Ökosystem und das Bienensterben somit hochproblematisch. Die Gründe für das Sterben der fleißigen Tierchen sind vor allem der Einsatz von Pestiziden, Viren, Parasiten, sowie Futtermangel.
Die EU-Kommission und die Schweiz planen allerdings, den Einsatz von drei Pestiziden, die unter Verdacht stehen, den Bienen zu schaden, noch dieses Jahr vorübergehend zu verbieten.


Honig aus veganer Sicht

Ehrlich gesagt ist es unglaublich schwierig, im Internet seriöse Seiten zu finden, die die Produktion von Honig kritisch beleuchten.
Zunächst kann man sich wohl einig sein, dass Honig nicht vegan ist, da er den Bienen, die ihn normalerweise als Futterquelle im Winter nutzen, weggenommen wird, ohne dass die Bienen großartig davon profitieren - man kann also nicht von einer Symbiose sprechen. Anstelle des Honigs bekommen die Bienen eine Zuckerlösung, die sicherlich keineswegs ein angemessener Ersatz ist.
Außerdem werden der Bienenkönigin in der Regel die Flügel gestutzt, um den Schwarm besser kontrollieren zu können(dieser folgt stets der Königin, sollte diese wegfliegen, wäre das also katastrophal). Die Königinnen, die unter normalen Bedingungen bis zu 5 Jahre alt werden können, werden zudem meist nach 2 Jahren getötet und ersetzt.

Bei der Honigentnahme werden die Bienen mithilfe verschiedener Mittel gezielt in Angst versetzt. Zudem kommen dabei unweigerlich einige Tiere zu Tode.

Die Bienen werden also ausgebeutet, versklavt und gequält.
Allerdings ist die Leidensfähigkeit von Bienen bislang umstritten.
Für die Imkerei spricht außerdem, dass die Haltung von Honigbienen zum Teil die Bestäubung von Pflanzen sichert und dass die Imker-Lobby auch die Interessen von Wildbienen fördert, da diese den Interessen von Honigbienen entsprechen.

Insgesamt ist Honig meiner Meinung nach eine schwierige Sache. Vegan ist es zwar nicht, aber ist es vielleicht dennoch moralisch vertretbar, Honig zu essen?
Natürlich muss das jeder selbst entscheiden.
Für mich ist die Ausbeutung ein großer Kritikpunkt und ich finde es beispielsweise wichtig, dass die Bienen zumindest einen Rest ihres Honigs für den Winter behalten können. Daher würde ich – wenn überhaupt – Biohonig kaufen.

Womit ersetze ich Honig?

Falls sich jemand jetzt, oder bereits seit Langem, gegen Honig entschieden hat, gibt es natürlich einige, gute Alternativen. Zum Süßen eignen sich anstelle von Honig beispielsweise Agavendicksaft oder Ahornsirup. Als Ersatz eignet sich zudem Löwenzahnsirup, welcher aus Löwenzahnextrakt und Maissirup hergestellt wird, und Zuckerrübensirup, der im Gegensatz zu Honig eine gute Eisenquelle darstellt, was ja gerade für Vegetarier und Veganer von Bedeutung sein kann.










Quellen:

Reformhaus Kurier, Juli 2013

Quelle 2
Quelle 3

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner ausführlicher Post...nr leider habe ich mit Honig nichts am Hut ....:( Aber finde ich gut, dass auch mal solche alltäglichen Dinge aufgegriffen werden :)

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  2. Ich hab noch nie so viel wie über Honig gelesen...aber sehr interessant :)

    LG Mona

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  3. ich liebe honig, die bienen leisten da schon einiges.. hoffen wir das es sie noch lange gibt :)

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  4. Ich esse allgemein keinen Honig, weil ich durch einen Onkel, der Hobbyimker war, gesehen habe, wie er hergestellt war. Agavendicksaft und Ahornsirup sind gute Alternativen.

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  5. Ich bekomme meinem Honig von einem Hobbyimker, der den Bienen einen Teil ihres Honigs lässt. Für mich eine Sache, die ich moralisch vertreten kann.

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  6. sehr interessanter Post, ich liiiebe Honig :))

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  7. wie interessant, ich hab mir auch noch nie große gedanken darum gemacht.. ich liebe honig, esse ihn aber eigentlich trotzdem recht selten. aber wenn, dann hab ich immer genug vorrat von meinem lieben opa, der IMMER wenn ich in die heimat komme, ein glas honig von imker aus der nachbarschaft mitgibt :) und das ist der leckerste honig den ich kenne :)
    liebe grüße,
    laura | www.diamondsandcandyfloss.com

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  8. Interessant, gibt vieles was ich vorher noch nicht wusste !

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  9. ein sehr interessanter post! ich persönlich weiß nicht ob ich noch weiter honig esse oder nicht..
    xx Marilena

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  10. Schön, dass pro- und contra-argumente gleichermaßen beleuchtet werden. das ist ja nicht oft so, wenn es darum geht, ob dinge moralisch vertretbar sind. ich habe schon gesehen, wie honig hergestellt wird, weil mein gastvater vom usa-austausch hobby-imker ist. bio-honig aus der region ist für mich völlig vertretbar und sogar förderungswürdig. allerdings esse ich auch keine massen an honig, nur mal im winter nen löffel in den tee.

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  11. Wirklich interessante Aspekte. Und ich muss sagen ich liebe Honig besonders in der Winterzeit. Zumal er sich auch gut haelt als Aufstrich :)

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  12. Ein wirklich gelungener Artikel, und sehr schön das auch der Zuckerrübensirup erwähnt wird. Der sollte in der Tat in keinem veganen Haushalt fehlen, der Abstand von Vitaminpräperaten nimmt. Es sei denn man isst Brennesseln, Petersilie oder beispielsweise Minze.

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  13. Leider werden die heimischen Bienen immer weniger. Sei es durch Krankheiten, den Winter oder gewisse äußere Einflüße. Und Imker werden es auch immer weniger. Vielleicht sollte man sich mal dem Thema annhemen

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